Vielleicht haben wir uns langsam schon daran gewöhnt, dass uns in Lebensmittelgeschäften die WM-Produkte entgegenquellen. Was aber kommt dabei heraus, wenn auch das Baumarkt-Management im Fußballfieberwahn auf Biegen und Brechen “schicke” WM-Produkte ins Regal stellen muss? Nun, das hier…
Eine Bierzeltgarnitur (oder Festzeltgarnitur, wie das anscheinend offiziell heißt) ist meist ziemlich öde anzusehen. Aber das muss nicht mehr so sein, dank dieses farblich schicken Dreiteilers. Man stelle sich einfach mal ein Zelt vor, vollgestellt mit solch verschönerten Festzeltgarnituren. Preisfrage: wie lange dauert es, bis die ersten Personen aufgrund von Reizüberflutung umfallen oder nach Hause gehen? Es gibt – natürlich – auch Kissenbezüge und Kissen für Gartenstühle in schwarz-rot-gold, den Trendfarben des Jahres 2006. Ich frage mich wirklich, wer sich soetwas ausdenkt, so schön ist diese Farbkombination nun wirklich nicht. Wenn das einhergegangen wäre mit der Änderung der Farben im aktuellen Pastell-Farbtrend, dann ok, aber so?
Auch schwer im Trend dürfte die “Isolier-Reisedecke” liegen. Der Internationale Aufdruck vereint durch einen mittigen Fußball ist zeitlos und mach die Rückbank des Autos zum echten Hingucker.

Andere auf der Verpackung abgebildete Verwendungsmöglichkeiten: als Decke für ein spontanes Picknick auf dem Weg zum Stadion, als Unterlage für den Hund (damit der nicht das ganze Auto vollhaart) oder als Arbeitsunterlage beim Reifenwechsel. Wirklich, so ein Teil sollte in keinem Auto fehlen.
Die LED-Lampe als Schlüsselanhänger im originellen Fußball-Design ist da wirklich kaum noch der Rede wert.
Zum Schluss noch der Traum eines jeden Raumausstatters. Der Deckenventilator, bei dem nicht nur die mittige Lampe, sondern auch die Ventilatorflügel im hippen schwarzweißen Fußballdesign gestaltet sind. Echt, was den Lampendesignern doch für Einfälle kommen, da sprudelt einem die Kreativität geradezu entgegen.

Übrigens: wer sich lange genug auf den drehenden Ventilator konzentriert, dem wird genau so komisch im Kopf wie beim Sitzen auf der Festzeltgarnitur.
Viele Grüße
Fluffi

Zu Regel 1: Alles was rund ist, ist ein Ball. Zu dieser Kategorie habe ich ein sehr schönes weiteres Beispiel gefunden. Offensichtlich ist der Hersteller kläglich daran gescheitert, sein Produkt in die bevorzugte Ballform zu pressen. Aber das hält Könecke nicht davon ab, seine alles andere als runde “Kicker-Balls Mini-Bockwürstchen in zarter Eigenhaut” zu bewerben. Diese Bemühungen sollten honoriert werden, deswegen nenne ich die Fußballwürstchen hier an erster Stelle. Wobei ich nicht wissen möchte, wie unappetitlich ein Torwart aussieht, nachdem er einen solchen Ball gefangen hat (gefunden im Norma-Prospekt).
Besser umgesetzt wurde Regel 1 im gleichen Werbeprospekt von Firma Friedel, die in der Packung “Schoko-Bälle” ein kleines Kickerspiel, bestehend aus Spieler, Tor und Ball, beigelegt haben. Beispielhaft, denn dank des Plastikballs sind kleine Kinder nicht dazu verdammt, einen Anschiss von Mama zu bekommen, weil sie bei frühsommerlichen Temperaturen den Teppich ihres Zimmers beim Spielen mit zerlaufender Schokolade verschmiert haben.
In die gleiche Richtung schießt auch Milka mit “Fußball-Mix – Bunte ‘Fußbälle’ aus zartschmelzender Milka Alpenmilch Schokolade”, allerdings wurde hier nun wirklich gar nicht an die Kleinen gedacht. Die Bälle sind bonbonartig verpackt, also mit zwei kleinen Zipfeln an der Seite. Wie soll man denn damit spielen können? Das muss man ja vorher auspacken und das kann nur Ärger geben…
Wiederrum besser macht es hingegen “Laola” (ich bezweifle, dass das der Name des Herstellers ist, habe aber leider vergessen, mir die Packung genauer anzusehen) mit den abwechselnd schwarz und weiß dragierten Erdnüssen. Zum Inhalt der “Fanbox” gehört auch ein “Team Bus” – damit spielt sich auf alle Fälle besser als mit herumeiernden Erdnüssen.
Zu Regel 4: Limited muss sein. Eigentlich ist der “12teilige Medaillen-Satz” von den 12 WM-Stadien nicht sehr spektakulär, allerdings laut Norma-Prospekt nicht nur limitiert, sondern sogar “streng limitiert”. Das indiziert quasi die Steigerung von “limitiert muss toll sein”! Also nichts wie kaufen! 

Was vermuten wir als fußballbegeisterte Person, wenn wir die links abgebildete Prospekseite sehen? Richtig, da muss irgendwas sein, was mich interessiert. Schließlich sind da Fußbälle. Entweder ist das die offiziell zugelassene Digitalkamera zur Fußball-WM mit einem extrem empflindlichen Schwarz-rot-gold-auf-grün-Sensor oder auf dem USB-Stick ist ein Gewinnspiel gespeichert! Nein? Aber dann sind doch sicher schon Fotos meiner Fußballidole auf der SD-Speicherkarte? Auch nicht? Ja aber was ist denn dann der Zweck der Fußbälle auf dieser Seite? Richtig, keiner. Kein einziges Wort auf dieser Seite hat was mit Fußball zu tun. Nichts, reine Bauernfängerei.





Da hat das Theater noch nicht mal angefangen und mir geht es jetzt schon auf den Keks. Überall sieht man nur noch Fußbälle, Deutschlandfahnen und Trikots. Anscheinend denkt sich so manche Marketing-Abteilung: “alles verkauft sich, wenn es was mit Fußball zu tun hat”. Was nicht WM ist, wird nicht gekauft. In der neuen Kategorie “Fluffis (fehlendes) Fußball-Fieber” werde ich diesen Wahn aufgreifen – ich denke, dass sich da noch so einige Sachen finden.
Regel 1: Alles was rund ist, ist ein Ball. Alles was ein Ball ist, ist ein Fußball. Alles was ein Fußball ist, ist gut. So auch beim “kinder Fan-Ball”, der eine “DFB Riesen-Überraschung” verspricht. Da “kinder” drauf steht, werden hier aller Wahrscheinlichkeit nach wie zu Ostern die Zutaten für Happy-Hippo-Snacks oder ähnliches in eine passende Form gepresst. Und was kann passender sein, als ein Ball? Hier reicht allein die Form aus, um einen regelrechten Ansturm auf das Produkt auszulösen.
2. Regel: Halbzeit ist Essenszeit. Die kurze Pause zur Halbzeit reicht eh nicht aus, um was großes zu Essen. Jeder Snack muss deswegen mit dem Aufdruck “Halbzeit” versehen werden, zur Kennzeichnung, dass man ihn zwischendurch schnell verspeisen kann. So kommt die “Halbzeit Box” mit 15 Knoppers daher und bringt netterweise auf der Rückseite gleich eine Torwand und laut Aufdruck auch Fingerpuppenfüße und Ball zum kicken mit. Auch die Keksdose von Lambertz ist groß mit “Halbzeit” bedruckt. Ein rasenähnlicher, grüner Hintergrund oder ein angedeutetes Spielfeld steigern übrigens die Wahrscheinlichkeit zum spontanen Griff nach dem Produkt um 38,7%.
3. Regel: Trikots braucht das Land. Durch Trikots kann man sich mit seiner Mannschaft identifizieren und wenn zeitlich doch mehr drin ist als nur ein paar Kekse, dann muss die Soße auch im richtigen Trikot gekleidet sein. Fraglich, ob sich die Zielgruppe für “Oranje Sauce” (Holland) und “Samba Sauce” (Brasilien) begeistern kann, oder ob nur die “Meister Sauce” (Deutschland) auf den Tisch kommt. Ja, richtig gelesen, “Meister”-Sauce. Und damit man bei verlorener WM später nicht sagen muss, man wäre bei dieser Namenswahl sarkastisch gewesen, sollte man besser auf Nummer sicher gehen. Nummer 13 ist nun echt eine Unglückszahl, da kann man schnell mal ein Spiel verlieren.
4. Regel: Limited muss sein. Limitierte Sachen müssen einfach gut sein, wieso sollten sie sonst nicht in ausreichender Stückzahl vorhanden sein? Limitiert sind übrigens laut Aufdruck auch die oben erwähnten Soßen, doch mit solchem Kleinkram findet sich der echte Sammler natürlich nicht ab. Wie wäre es statt dessen mit “Golden Goal 2006 Scotch Whisky” (allerdings schottischer Herkunft) in einer formschönen und sicher ungemein praktischen Flasche in Form eines Fußballschuhs? Bei alkoholischen Getränken zur WM wichtig: um der Alkoholsucht bei schweren Niederlagen vorzubeugen, unbedingt ein Bild aus besseren Zeiten – wie hier der Mannschaft von 1954 – abbilden. Das lässt den in Gedanken zurückschauenden Fan von etwaigen aktuellen schlechten Zeiten abschweifen.
5. Regel: Das Produkt ist Nebensache. Dem Kunden ist egal, was er kauft. Ihn interessiert nur eine in die Zeit passende Verpackung. So sieht das z.B. die mir unbekannte Firma, die ihr Produkt in glänzenden und mit Fußball-Kipp-Bildern bedruckten Bechern verkauft. Ich musste die Verpackung wirklich in die Hand nehmen und eine Weile suchen, bis ich irgendwo ganz klein gelesen habe, dass der Becker Bonbons beinhaltet. Nett ist auch die Fotocollage (wer schießt bitte so vom Tor weg) auf dem Toilettenpapier von Hakle. Zweck der auffälligen Verpackung ist übrigens nicht das Anpreisen von mit Fußbällen bedrucktem Papier (sehr gut für Leute, denen das alles am A. vorbeigeht), sondern es soll auf ein Gewinnspiel aufmerksam gemacht werden. Die Frage “kein WM-Ticket?” lässt vermuten, dass es Tickets zu gewinnen gibt, also nichts wie rein damit in den Einkaufswagen. Schade nur, wenn sich dann zu Hause herausstellt, dass man lediglich einen Fernseher gewinnen kann, um das Spektakel von zu Hause aus zu verfolgen. Immerhin ist das Papier schön weich.
6. Regel: Auf die Verpackung muss ein Ball. Es ist unerheblich, ob das Produkt selbst etwas mit der WM zu tun hat. Im Laden sieht der Kunde das Produkt im Karton stehen, wenn auf diesem Karton ein Ball drauf ist, dann kauft er es. Wirklich! Diese Methode ist vor allem dann zu wählen, wenn sich das Produkt nicht, wie in Regel 1 beschrieben, selbst in Form eines Balls herstellen lässt.






















